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Erkennungszeichen für echte Nahtnylons

Gute Nahtstrümpfe lassen sich mit einem guten Wein vergleichen. Beide brauchen etwas länger in der Entstehung und verlangen währendessen eine besondere Aufmerksamkeit. Ein guter Wein umschmeichelt den Gaumen, der edle Strumpf umfließt sanft und das Bein. Der eine sticht durch einen sich von der Masse unterscheidenden Geschmack, seinen besonderen Geruch und seine charakteristische Farbe hervor- die echten Nahtnylons bestechen durch ihre einzigartige Haptik, ihre Feinheit am Bein und ihren visuellen Eindruck. Beide werden von Genießerinnen und Genießern geschätzt und mit sinnlichem Empfinden blind aus der Masse heraus erkannt, doch wie wird es gemacht, was sind die Erkennungszeichen für echte Nahtnylons?

Täuschungsversuche und falsche Fuffziger in Massen

Auf den ersten Blick scheint ein nicht so leicht, die Erkennungszeichen für echte Nahtnylons herauszusehen. Doch glaubt mir, mit etwas Übung ist es sehr leicht, auch wenn sehr viele falsche Fuffziger versuchen, euch hinter das Licht zu führen und euch das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Heute im Jahr 2021 treten verstärkt Anbieter von vermeidlich echten Nahtnylons an, um absichtlich - oder nicht -  Kundinnen und Kunden vorzugaukeln, echte Nahtnylons anzubieten. Diese Nylons erscheinen leider europaweit auf diversen Plattformen. Hat man kein geschultes Auge, so muss man zwei mal hinschauen, um bei den erwähnten Strümpfen den Fake zu erkennen!

Auf den ersten Blick haben die Anbieter das Abschlussloch im Doppelrand perfekt in Szene gesetzt - dieses ist echt, aber nur das Abschlussloch. Der Rest hat mit echten Nylons Null & Nix zu tun! Keine echte Fersenverstärkung, keine Naht, die dazu dient, den Strumpf zusammen zu halten.

Vereinzelt erscheinen Verkäufer, die ihre Fakenahtnylons mit Fotos echter Nahtstrümpfe bewerben. Es sind billige Kopien, die vermutlich in der Herstellung nur Cent kosten! Sucht ihr echte Nahtnylons, gilt: Hände weg von diesem billigen Mist. Möchtest du auf Nummer sicher gehen, so kaufe bitte direkt bei den Herstellern.

Echt oder nicht- das ist hier die Frage!

Mit einigen prüfenden Blicken läßt sich meist schnell feststellen, ob der angepriesene Nahtstrumpf wirklich das Attribut echt verdient. Hier ein kleiner Führer auf dem Weg zu den Echten Nahtnylons:

Wichtige Merkmale

Abschlußloch im Doppelrand:

das markanteste Kennzeichen der echten Nahtstrümpfe. Es entsteht beim Zusammennähen des Strumpfes. Ist es nicht vorhanden, dann kann es auch kein echter Nahtstrumpf sein! Wohlbemerkt- bei den heute hergestellten Nahtstrümpfen. In früheren Jahren boten einige Hersteller auch Nahtstrümpfe ohne Abschlußloch an.

[caption id="attachment_11873" align="alignnone" width="283"]Nahtstrumpf Strumpfnaht[/caption]

Die typische Naht muß von der Strumpfspitze bis zum Umschlagpunkt des Doppelrandes gehen.

Der Doppelrand

ist dunkler als der "Reststrumpf" und wie die Bezeichnung es vermuten läßt, hier ist das Nylon doppelt gelegt. Unterhalb des Doppelrandes schließt sich noch ein kleines Stück Strumpf an (Doppelrandvorstoss), das etwas heller als der Doppelrand ist, jedoch immer noch dunkler, als der Strumpf.

Verstärkung der Fußsohle und Hochferse: 

hier ist der Strumpf mit Extragarn verstärkt. So soll der Strumpf in diesen Bereichen widerstandfähiger gegen Beschädigungen gemacht werden.

Das Garn

aus 100% Nylon= 0% Lycra oder Elasthan! Dieses besteht aus einem endlosen Einzelfaden. Es steht im Gegensatz zu den heute für Strümpfe oder Strumpfhosen verwendeten Garnen aus mehreren Einzelfäden- den Multifilamanten oder den texturierten Garnen.

[caption id="attachment_11874" align="alignnone" width="567"]Minderungsmuster Minderungsmuster bei echten Nahtnylons[/caption]

Auf Passform - oder fully fashioned gewirkt

Während sich eine heute verkaufte Strumpfhose bzw. Strumpf etwas "ziehen" läßt, ist der klassische Nylonstrumpf ein ziemlich starres Maschenwerk. Daher wird er schon bei der Fabrikation mit einer "anatomischen" Paßform gefertigt.
Das bedeutet, während des Wirkens der Strümpfe ist je nach gefertigtem Beinbereich eine unterschiedliche Nadelanzahl am Entstehen des Strumpfes beteiligt. Es ist leicht vorstellbar, daß diese Tatsache einer nicht ganz einfachen Steuerung bedarf. Wohlgemerkt mechanisch umgesetzt, denn die alten Cottonmaschinen wurden zu einer Zeit gebaut, als es noch keine SPS- Steuerungen für Maschinen gab.

Heutige Strümpfe und Strumpfhosen sind Schläuche

Die heutigen Rundstrickautomaten für die Strumpffabrikation fertigen die Beinlinge als einfache Schläuche mit einer gleichbleibenden Nadelzahl. Eine Anpassung an die Beinform der Trägerin/ des Trägers (Wolford Strumpfhose für den Mann ;-) ) geschieht heute über das unterschiedliche Straffen des Fadens, meist jedoch nur durch das Fixieren auf den altbekannten Formen aus Stahl bzw. Aluminiumlegierungen.

Das Garn macht den Unterschied

Ein signifikanter Unterschied der echten Nahtstrümpfe im Vergleich zu "modernen" Feinstrumpfwaren besteht im verwendeten Garn. Es wird Garn aus reinem Nylon (Polyamid) verwendet- ein so genanntes einzigen Faden, nicht aus mehreren verdrillten Einzelfäden, wie bei modernen Strumpfwaren üblich.
Das verwirkte Garn wurde nicht mit anderen elastischen Garnen veredelt, um z.B. Elastizität und optimale Paßform zu erreichen (Lycra©, Elasthan© usw).

Maschenbild

Die Nahtstrümpfe bieten durch ihre Wirkart ein traumhaft gleichmäßiges und glattes Maschenbild. Die Wirkart der meisten Nahtstrümpfe nennt man "Plain Knit", das bedeutet in einfachen Worten, die Maschen liegen in einer Reihe hintereinander. Dadurch wirken die Strümpfe besonders fein und elegant.
Das waren die wichtigsten Erkennungszeichen für echte Nahtnylons. Hast du sie im Blick, kannst du sie fast im Vorbeigehen identifizieren.
Fakultatives Wissen zum Thema Nahtstrümpfe

Im Laufe der Zeit entwickelten sich verschiedene

[caption id="attachment_11875" align="alignnone" width="283"]Grafik Hochfersen Grafik Hochfersenformen[/caption]

Hochfersenformen. Auf der Grafik sehen Sie eine Auswahl vom Hochfersen. In der Kombination gab es breite sowie schmale Fußbetten. Die hier skizzierten Hochfersenformen stellen nur einen Auszug aus der ehemals hergestellten Ausführungen dar. Es existierte eine Vielzahl von Abwandlungen, so die angesetzten Schmucksteine oder die Zierränder.
Nahtstrümpfe gab es aber auch ohne Hochferse und Sohlenverstärkung.

Und wo muß die offene Seite des Abschlußloches nach dem Anziehen sitzen?

Diese Frage beschäftigt jede Frau irgendwann... die Antwort darauf ist einfach: innen am Bein. Wieso denn das? wird die berechtigte Frage lauten. Die Strumpfnaht hat eine Oberseite und eine Unterseite. Die Obernaht sind simple Längstiche und die Unternaht wird aus den überwendelten Fäden gebildet. Die Nahtunterseite ist quasi die Nahtversäuberung und diese sitzt innen im Strumpf. Beim Nähen des Strumpfes entsteht das Abschlußloch so, daß es dann im Doppelrand an der Beinseite liegt.

Muß die Naht immer hinten sein?

Klare Antwort: Nein. In ihrer Frühjahres/Sommerkollektion brachte die amerikanische Gotham Hosiery Company im Jahr 1950 ihre "Cobwebby" Nylons auf den Markt. Das besondere daran war, daß diese Nahtstrümpfe keine Naht an der Rückseite hatten. Ihre Naht befand sich vorne am Strumpf. Auf dem Photo zu sehen ist das Model Wendy Russell (später Wendy Russell Reves). Diese Aufnahme ist einem amerikanischen Magazin entnommen.

Pressetext vom März 1950: "New York model wears these seam-inthe-front stockings shown at Gotham's Spring and Summer fashion show in New York. The cobwebby nylons have a delicate black line bisecting the full length from top to toe."