Was kann ich mit alten Nahtnylons heute noch machen? Kann ich diese tragen?
Eindeutige und kurze Antwort: ja. Absolut, denn Polyamidgarn altert nicht, oder kaum. Doch es gibt ein großes ABER.
Vintage Nahtstrümpfe aus den 50er-80er Jahren sind oft ein Geheimtipp, wenn es um echte Nahtstrümpfe geht. Unter ihnen findest du richtige Schätze, die am Bein supertoll aussehen. Doch gerade dieser Umstand hat seinen Preis-der allerdings kein finanzielles Maß hat. Mit alten Strümpfen kaufst du auch ein altbekanntes Risiko für deine Gesundheit mit ein.
Warum kann man solche Schätze finden?
Es finden sich einige Nahtstrumpfvarianten, die es so heute nicht mehr gibt und die so wohl nie wieder hergestellt werden. Das betrifft solche, mit einer hohen Maschendichte, sprich 66 Gauge, 75 Gauge und als absolute Rarität 90 Gauge. Weitere Schätzchen sind Nylons in 30den, 40den, oder 60 den. Diese, für heutige Begriffe wohl hohen den-Zahlen täuschen vielleicht etwas über ihre wahre Stärke: sie sehen überraschend fein aus und sind zudem modern-laufmaschenbeständig. Das Fotos zu diesem Beitrag sind beispielsweise vintage ARWA-Nahtstrümpfe in 60den. Wirklich wunderbare Strümpfe. Diese ARWA-Strümpfe haben noch eine kleine Besonderheit, welche einen Nachteil, den diesen alten Strümpfe manchmal haben, ausbügelt: sie sind von uns nachgefärbt worden. Damit kommen wir zu den Nachteilen…
Nachteile, die alte Nahtnylons haben können
Bleichgesichter
Durch die lange Lagerung und die verwendeten alten Farbstoffe, treten stellenweise Ausbleichungen an den Strümpfen auf. Meist ist es die Seite der Nylons, die von Aussen durch die Packung zu sehen ist. Auch wenn sie im Dunkeln gelagert werden, sind sie Strümpfe dort manchmal etwas heller, als der Rest des Strumpfes. Wir hatten schon oft starke, ausgeblichene Stellen an der Stelle, an der das Größenetikett aufgeklebt wurde.
Abhilfe hier: Nachfärben mit einem guten Farbstoff. Eine Beitrag dazu findest du hier
Das größte ABER der Strumpfschätzchen
Die große faszinierende Unbekannte: die alten Strumpffarben
Tja, das ist die große Frage, die du dir stellen solltest-kann ich diese alten Farben an meine Haut lassen? Das Risiko ist vorhanden, daß Strumpffarben verwendet wurden, die nach heutiger Leseart schädlich sind. Alte Strumpffarben waren fast immer (nach heutiger Einschätzung riskante) Azofarbstoffe und damit je nach Farbe schädlich für die Haut und die Gesundheit.
Vintage-Strumpffarben waren chemisch schmutzig – aber optisch brillant.
Dir wird es schnell auffallen, das beispielsweise alte, schwarze Nahtstrümpfe toll warm aussehen. Nimm zum Beispiel einen alten 20den Elbeo-Nahtstrumpf in Schwarz, dieser sieht am Bein umwerfend aus, satt schwarz und dennoch warm. Das ist keine Einbildung, das ist Farbchemie, mit dem entscheidenden Nachteil der Hautverträglichkeit und der Migration der Farbstoffe und Abbauprodukte in deinen Körper.
Doch nicht nur Schwarz war oft schädlich, auch dunkle Hautfarben und Grau/Brauntöne waren bedenklich.
Nicht alle Azofarbstoffe sind gefährlich. Die problematischen waren billig, effektiv – und früher völlig legal.
Das Problem ist heute technisch gelöst – nicht durch Verzicht auf Azo, sondern durch saubere Chemie. Heute dürfen Azofarbstoffe nur noch:
- nicht-spaltbar sein
- keine der 24 verbotenen Amine freisetzen
- unter Schweißsimulation getestet werden
Alte Nahtstrümpfe sind oft wunderbar und gerade von Farbeindruck her von heutigen Nahtnylons unerreicht, finde ich. Doch es git ein nicht zu unterschätzendes Risiko, das von den alten Azofarbstoffen kommen kann. Leider kann man es nicht sehen, manchmal jedoch riechen, wenn alte Nylons „chemisch“ riechen, sobald man die Verpackung öffnet. Auch nach so viel Jahren „duften“ diese nach Chemie.
Sei dir des stillen Risikos bewußt, wenn du alte Nylons trägst. Sie können unerfreulich zu Körper und Haut sein, müssen es aber nicht. Tests dazu gibt es natürlich, diese sind jedoch sehr teuer und für ein Kleidungsstück, wie Nylonstrümpfe, unwirtschaftlich für dich als Kundin. Das gelegentliche Tragen stellt sehr wahrscheinlich kein nennenswertes gesundheitliches Risiko dar.
Du kannst das chemische Restrisiko leider nur ein klein wenig mindern, nicht verhindern. Willst du nicht auf vintage Nylons verzichten, dann wasche diese zumindest vor dem ersten Tragen. Das spült die Chemie nicht weg, mindert unter Umständen jedoch die Konzentration der noch vorhandenen Reststoffe vom Färben, Fixieren und Ausrüsten.
Hast du schon einmal von den Nachteilen der alten Azofarben gehört? Magst du vintage Nahtnylons? Was schätzt du besonders an diesen?


