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Die Strumpfnähexperimente begannen ohne Vorsatz, ganz durch einen Zufall herausgefordert. Irgendwo wurde gefragt, ob es möglich wäre, Strümpfe mit einer Schnürung auf der Rückseite selbst zu nähen. Mit dem Wissen um die alte Technik der Schnittstrümpfe sagte ich frech "JA!". Damit ward das Probieren um diese Strümpfe eröffnet. Das erste Paar mit Schlitz auf der Rückseite und einer schönen Schnürung ließ sich bald präsentieren. Mit einigen Makeln behaftet, doch tragbar allemal. Der kleine Beweis ward angetreten und damit sollt das Strumpfnähexperiment eigentlich am Ende sein. Doch die beschneiderte Frau war begeistert, äußerte auch gleich Verbesserungsvorschläge "besser wäre es, wenn die Schnürung außen drauf ist! Na und den Schlitz kannste auch weglassen!". Von da an starteten viele kleine Nähversuche, die durch eifrige Testerinnen angestachelt immer wieder verbessert werden konnten. Ein wirklicher Coup gelang 2008, Irgendwann, der Zenit des Jahres 2008 war bereits überschritten, gelang es mir nach langer Suche, eine originale Industrie-Strumpfnähmaschine für Nahtnylons aus längst vergangenen Zeiten zu erwerben. Das Maschinchen ist im besten Zustand, sie läuft wie ein Uhrwerk perfekt, leicht und rund. Mit einiger Hilfe aus Mexiko; von SCHMETZ und ganz speziell von GROZ-BECKERT ließen sich auch passende Nadeln für die Maschine finden. Beim Nähgarn bot sich Unterstützung vom deutschen Hersteller ALTERFIL, der ein erstklassiges Industrienähgarn auch in der von mir gewünschten Kleinstmenge lieferte.
Schließlich fand ich eines schönen Tages noch einen nahezu idealen Stoff für Strümpfe. So erwies sich der Zufallsfund des Stöffchens als hervorragend dafür geeignet, dehnbare Strümpfe in einer leicht transparenten Form herzustellen. Die Paßform ist annehmbar, die Faltenbildung gering. Und als allerbeste Eigenschaft neigt Stöffchen überhaupt nicht dazu, Laufmaschen zu bilden. Unser Schnittstrumpf ist zu unserer Überraschung extrem laufmaschenresistent. Der Stoff zeigt einen sehr leichten Glanz, er hat ein dichtes, elegant aussehendes Maschenbild. Durch die Fertigung auf Paßform sitzt der Strumpf an allen Stellen des Beins gleich gut und die Maschendichte ist konstant- die Strumpfis sehen überall am Bein gleich dunkel aus, es gibt also keine helleren Waden oder dunkle Fesseln. Ein nahezu perfektes Zufallsprodukt durch und durch. Ich verwende für die Nahtstrümpfe nur hochwertige Materialien, keinen qualitativ schlechten Billigmist.
Das Design wurde verändert, der Schlitz an der Rückseite fiel weg und stattdessen brachte ich die Schnürung nun auf einen geschlossenen Nahtstrumpf an. Seit dieser Zeit entstanden einige Paare Strümpfe, mit und ohne Schnürung. Mit der Erfahrung wurde das Aussehen immer besser und mit dem Kauf der Strumpfnähmaschine erreichten wir einen Quantensprung. Wieder gaben geduldige Testerinnen wertvolle Hinweise. So entstand dann schließlich eine verbesserte Fußspitze. Ein riesengroßes Danke an die Testerinnen, die vertrauensvoll ihre Beinmaße an mich weitergaben und die optimistisch gestimmt die Strümpfe in die Öffentlichkeit ausführten.
Du fragst Dich beim Lesen sicherlich - wieso gibt es keine "Einheitsgrößen", wenn das Material schon Stretch ist? Ganz einfach: erstmal ist es nicht sooo wahnsinnig dehfähig, doch der Hauptgrund besteht im Aussehen der Schnürung auf der Rückseite. Durch die individuelle Anpassung an die Beinform bleiben Länge und Breite der Schnürung immer gleich. Würde ich in Einheitsgrößen nähen, so kann es passierten, daß an den kritischen Stellen, wie Wade oder Oberschenkel eine unschöne Verschiebung der Ösen zu sehen ist. Schließlich sind Beine nicht genormt ;-). Eine fast geschlossen geäußerte Meinung: die Strümpfe sitzen, wie eine zweite Haut.
Über die Zeit des entspannten Experimentierens gelang es, eine anpassungsfähige Schnittmustervorlage zu erstellen, die es erlaubt, ein individuelles Schnittmuster für jedes Bein zu erstellen. Wenn schon eine alte Strumpfnähmaschine, so nähe ich auch Nahtstrümpfe mit einem Doppelrand inklusive des Abschlußlochs, wie Du es von den Nahtnylons her kennst.
Tragen lassen sich die Strümpfe übrigens nur mit Strumpfhaltern. Hier sollte die Wahl auf die stabilen Metallclips fallen.

Hier seht ihr ein Paar der selbstgenähten Strümpfe mit Schnürung. Beide Strümpfe sind jedoch in ihrer Schnürung unterschiedlich.

Auf diesem Foto seht ihr es besser, daß die Schnürungen etwas abweichen. Schön die ideale Paßform der Nahtstrümpfe, was nicht fehlen darf ist allerdings eine leichte Faltenbildung. Wie bei den Nylons eben.

Wie es sich für einen Nahtstrumpf gehört, haben die Strümpfe einen echten Doppelrand
Hier zu sehen ein Strumpfpaar aus früheren Versuchen. Es hat eine orangene Naht und eine gleichfarbige Schnürung, die sich abwechselnd versetzt am Bein entlangarbeitet. In der Ausführung noch nicht ganz perfekt, dennoch ließ sich aus den ersten kleinen Schwächen lernen. Die darauf entstandenen Strümpfe sehen dann schon besser aus.
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